Er trug Schwarz. Rasierte sich den Schädel. Umgab sich mit Pentagrammen,
Ritualen und dem wohl wirksamsten Symbol der abendländischen Kulturgeschichte:
dem Teufel.
1966 gründete Anton LaVey die Church of Satan. Drei Jahre später erschien seine
The Satanic Bible.
Doch LaVeys Satan benötigte keine Hölle.
In seiner Philosophie wurde Satan vor allem zum Symbol: für Individualismus,
Selbstbehauptung, körperliches Begehren und die Zurückweisung religiöser
Schuldvorstellungen. Statt Selbstverleugnung stellte LaVey die Befriedigung des
eigenen Ichs in den Mittelpunkt.

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Provokation.
Denn der Mensch erschuf über Jahrhunderte einen Teufel, auf den er Versuchung,
Lust und sündhafte Begierden übertragen konnte.
LaVey nahm diesen Teufel – und hielt ihn dem Menschen wie einen Spiegel
entgegen.
Was, wenn Satan niemals unter uns wandelte? Was, wenn wir
ihm lediglich all jene Wünsche gaben, die wir uns selbst nicht
eingestehen wollten?
Vielleicht war LaVeys größte Provokation deshalb nicht die Verehrung des Bösen.
Sondern die Behauptung, dass der Mensch keinen Teufel benötigt, um Mensch zu
sein.
— Alexandre Dusade