Wir verachten sie. Elizabeth Báthory. Gilles de Rais. Ed Gein.
Namen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, umgeben von Verbrechen, Legenden
und – gerade bei den historischen Figuren – einem Geflecht aus Tatsachen und
späterer Ausschmückung.
Wir nennen sie Monster. Und dennoch erzählen wir ihre Geschichten immer wieder.
Wir schreiben Bücher über sie. Drehen Filme. Besuchen Ausstellungen. Suchen nach
jedem Detail ihrer Taten – während wir gleichzeitig betonen, wie sehr uns diese
Menschen abstoßen.
Vielleicht weil das Monster eine Grenze überschreitet, vor der wir selbst stehen
bleiben. Es zwingt uns zu der Frage, wie weit sich ein Mensch von unserer
Vorstellung des Menschlichen entfernen kann.

Doch gerade darin liegt die verstörende Erkenntnis: Es waren Menschen.
Keine Dämonen. Keine Geschöpfe aus einer anderen Welt. Indem wir sie zu
Monstern erklären, schaffen wir Abstand. Wir machen das Unbegreifliche fremd –
und müssen nicht darüber nachdenken, dass Grausamkeit, Obsession und Machtgier
Möglichkeiten derselben menschlichen Natur sind, der auch wir angehören.
Vielleicht fasziniert uns das Böse deshalb nicht trotz unseres
Abscheus. Sondern gerade wegen ihm.
Wir blicken in den Abgrund, um das Monster zu betrachten. Und hoffen insgeheim,
dass es nicht zurückblickt.
— Alexandre Dusade