Wir lieben Monster. Dämonen. Mörder. Bestien. Gestalten, denen wir all das
zuschreiben können, was wir selbst niemals sein wollen. Vielleicht brauchen wir sie
gerade deshalb.Denn das wirkliche Monster trägt keine Hörner. Es lauert nicht
unter unserem Bett und wartet nicht in der Dunkelheit. Es
trägt unser Gesicht.

Grausamkeit, Gier, Neid, Lust an Macht – all das musste der Mensch niemals von
einem Dämon lernen. Die Geschichte beweist vielmehr, wie erschreckend
gewöhnlich das Ungeheuerliche sein kann.
Der Marquis de Sade trieb diesen Gedanken ins Extreme. Seine Figuren werden
nicht von übernatürlichen Mächten verdorben. Sie entscheiden selbst. Sie begehren,
herrschen, quälen – und erklären ihre Natur zur Rechtfertigung.
Das Böse muss uns nicht verführen. Manchmal müssen wir ihm
nur erlauben, hervorzutreten.
Das Monster ist nicht das Gegenteil des Menschen. Es ist eine
seiner Möglichkeiten.
— Alexandre Dusade