Meine Damen und Herren, treten Sie näher. Der Vorhang hebt sich.
Doch erwarten Sie keine Akrobaten, keine Harlekine und keine grotesken Kreaturen.
Die größte Vorstellung, die diese Welt zu bieten hat, benötigt weder Manege noch
Eintrittskarte.
Es genügt, den Menschen zu betrachten.
Wir predigen Moral und genießen den Skandal. Wir verurteilen die Gier und horten
Besitz. Wir beklagen Gewalt und machen aus ihr Unterhaltung. Wir verlangen
Wahrheit – solange sie unserer eigenen nicht widerspricht.
Was für ein wundervoller Zirkus.
Auf seiner Bühne kämpfen Religionen um die richtige Ewigkeit, Mächtige um noch
mehr Macht und Menschen um Anerkennung von Menschen, die ihrerseits
verzweifelt nach Anerkennung suchen.
Und über allem hängt das Schild: Zivilisation.

Vielleicht erschuf der Mensch deshalb Monster, Dämonen und Teufel. Nicht weil er
sie benötigte, um das Böse zu erklären – sondern weil es angenehmer ist, dem
Abgrund einen fremden Namen zu geben.
Der Marquis de Sade benötigte keine Hölle. Ihm genügte der Mensch, befreit von
der Gewissheit einer höheren Moral.
Wir beobachten die Vorstellung und tun gern so, als säßen wir außerhalb der
Manege. Doch wir sind längst Teil davon.
Wir sind die Artisten. Wir sind das Publikum. Wir verkaufen die
Eintrittskarten.
Und vielleicht besteht die größte Kunst dieses Zirkus darin, dass jeder von uns
überzeugt ist, nur Zuschauer zu sein.
Willkommen im Zirkus.
— Alexandre Dusade