Hochmut. Habgier. Wollust. Neid. Völlerei. Zorn. Trägheit.
Sieben Laster, die im Laufe der christlichen Tradition zu den sogenannten
Todsünden zusammengefasst wurden. Oder anders betrachtet: Eine erstaunlich
vollständige Sammlung dessen, was den Menschen zum Menschen macht.
Wir wollen besitzen. Wir begehren. Wir beneiden. Wir genießen über das
Notwendige hinaus. Wir werden wütend. Wir halten uns gelegentlich für
großartiger, als wir sind – und manchmal möchten wir schlicht liegen bleiben und die
Welt sich selbst überlassen.

Die Religion erkannte diese Triebe und erklärte ihre Maßlosigkeit zur Gefahr für die
Seele.
Der Libertin könnte darin etwas anderes erkennen: eine
Gebrauchsanweisung für das Vergnügen.
Denn bemerkenswert ist, dass kaum eine der sieben Todsünden dem Menschen
fremd wäre. Im Gegenteil: Sie entspringen Bedürfnissen und Gefühlen, die tief in
unserer Natur verwurzelt sind. Erst das Übermaß macht aus ihnen das Laster.
Vielleicht liegt genau darin der ewige Konflikt zwischen Moral und Begehren. Der
Mensch erschafft Ideale der Selbstbeherrschung – während sein Körper flüstert,
dass ein wenig mehr doch gewiss nicht schaden könne.
Und so kämpfen seit Jahrhunderten Engel und Teufel um unsere Seele. Während der
Mensch dazwischensteht und sich fragt:
„Was gibt es eigentlich zum Dessert?“
— Alexandre Dusade